Mit Arbeiten von Christian Bär, Max Brück, Doris Frohnapfel, Michael Hahn, Caroline Hake, Timo Hinze, Katharina Immekus, Anna M. Kempe, Uta Koslik, Romy Julia Kroppe, Florian Merdes, Bea Meyer, Heide Nord, Carolina Pérez Pallares, Karoline Schneider, Selma van Panhuis, Anna Vovan
collezione grande
Die Galerie b2_ ist eine künstler:innengeführte Galerie, getragen von 17 Künstler:innen und einer Galerieleitung. Jede:r arbeitet autonom, mit eigener Haltung und formaler Sprache. Und doch fügen sich diese Singularitäten seit 2005 zu einem kollektiven Zusammenhang innerhalb der Spinnerei – und prägen deren Kunstlandschaft. Ein „Wir“, das kein homogenes Kollektiv ist, sondern sich immer wieder neu definiert.
Aus dieser Konstellation entwickelt sich eine Gruppenausstellung, die sich als installative Setzung im Raum versteht. Gefundene und funktionale Elemente – Tische, Metallgestelle, Holzlatten – werden zu tragenden Strukturen. Sie sind Display und Architektur zugleich: ein Raum im Raum.
Der Vorhang markiert dabei eine zarte Grenze zwischen Öffentlichkeit und Privatheit, zwischen Publikum und Darsteller:innen. Ein weißes Tuch liegt über vergessenen Objekten, wie in einem verlassenen Haus – und doch scheint es zu atmen. Hebt man es leicht an, öffnet sich ein Geflecht individueller Bedeutungen. Ein Leben hat hier stattgefunden, fragmentarisch spürbar, es lässt sich nur in der Vorstellung weiterdenken. Auch die Arbeiten bleiben teils verstellt, verpackt, im Halbverdeckten, in flüchtigen Durchblicken liegt die Ahnung eines Ganzen, das sich nie vollständig zeigt.
Der Ausstellungsraum selbst wird Teil dieser Bewegung: gestaltet und organisiert, zugleich ausschließend und einladend. Eine Inszenierung, die ordnet und verführt, sich verdichtet – und gerade darin ihre Brüchigkeit zeigt. Der Raum wird zum Gefüge fragiler Teile und stiller Objekte. Das Backstage tritt hervor – und verwandelt sich in die Bühne.
Diese Setzung macht die Bedingungen des Zeigens sichtbar. Träger werden selbst zu Bedeutungsträgern und verweisen zugleich auf den realen Raum, der unsere künstlerische Praxis über Jahre hinweg begleitet und prägt.
Die Ausstellung bewegt sich zwischen Verdichtung und Offenheit. Mal zwingt das konzeptuelle Gerüst zur Klarheit des einzelnen Werks, mal tritt die Materialität hervor und legt Prozess, Übergang, Unabgeschlossenheit frei. So erscheint Kunst hier nicht als Resultat, sondern als fortwährende Bewegung zwischen Individuum, Kollektiv und Raum.
Das Kollektive wird materiell, das Material zur Sammlung, ein Konvolut als Spiegelbild – das daran erinnert: das fragile Gebilde „Wir“ ist kein Zustand, sondern eine Entscheidung, die immer wieder neu getroffen wird.
Carolina Pérez Pallares, 2026